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Petra Möller | Buch "Es wird sonnig, glaub's mir..."Klarspülen und Schleudern bitte

 

Als ich heute so über die Höhen und Tiefen, die Entwicklung meines bisherigen Lebens nachdachte, erschien mir plötzlich eine Waschmaschine vor dem geistigen Auge.

Da ich bildliche Vergleiche liebe, freute ich mich auf neue Erkenntnisse.

Was wollte diese Waschmaschine mir sagen? Das ich besonders porentief rein bin? Nun, ich glaube wohl eher nicht.


Als ich geboren wurde, war ich noch so rein, es lag der Glanz des Universums und der Sterne in meinen Augen. Ich wurde geliebt, sonnte mich in der Bewunderung und dem Entzücken meiner mich umgebenden Menschen. Ich war etwas Süßes, Herziges und Liebenswertes und bestätigte dies mit meinem ersten zahnlosen, unschuldigen Lächeln. Noch war keine Waschmaschine nötig.

Doch dann machte ich einen folgenschweren Fehler, wurde größer, fing an zu laufen, zu sprechen und auch mein stiertypisches Böckchen kam ab und an zum Vorschein.


Zwar fanden mich meine Menschen immer noch liebenswert, aber nun war in ihren Augen der erste Vorwaschgang notwendig. Sie nannten ihn Erziehung. Doch anstelle Sauberkeit legte sich ein feiner Schmutzfilm um mich, und der Glanz in meinen Augen wich einem trüben Schleier. Irgend etwas stimmte wohl mit der Technik der Waschmaschine nicht.

Mit dem ersten Schmutz von indoktrinierten Glaubensmustern,- wie zum Beispiel “Nur wenn Du alles aufisst, dann scheint die Sonne!” oder “Wenn Erwachsene reden, haben Kinder still zu sein!” -, kam eine weitere Schicht dazu, die Angst vor Ablehnung.

Ich verstand es so: “Wenn ich so bin wie ich bin, werde ich nicht geliebt. Ich muss so sein, wie meine Menschen es wollen, sonst bin ich bald allein.”

Verstärkt wurde das Ganze im Kindergarten, in der Schulzeit und der Berufsausbildung. Noch mehr Schmutzschichten legten sich um meine einstige unschuldige Reinheit und schon bald war ich nicht mehr zu erkennen.

Der Schmutz wurde zu einer starren Kruste und die Waschmaschine funktionierte immer noch nicht.

Dann eines Tages kam endlich der Monteur und so konnte das Waschprogramm starten.

Doch was war das? Wer um Himmels Willen hat denn das Kochprogramm aktiviert? Ich vertrage doch maximal 30 Grad!

Erbarmungslos kochte ich vor mich hin, als sei es das Feuer der Hölle und niemand sah es im Außen.

Ich erlebte die ganze höllische Gefühlswelt, wie Trauer, Verzweiflung, Resignation und dazu als Krönung Spott und Verachtung in diesem unendlich langen Kochprogramm.

Je mehr ich hoffte, endlich in dem siedenden Wasser sterben zu dürfen, um so heißer und schmerzhafter wurde es.

Doch im allertiefsten Schmerz der Ohnmacht tauchte plötzlich die Erinnerung an das Universum und die Sterne wieder auf und damit die Hoffnung.

Langsam wurde das Wasser kühler, mein Bewusstsein klärte und erfrischte sich. Die Schmutzschichten waren im heißen Wasser verbrannt, nur der Wundschmerz pochte noch im gesäuberten Körper.

Die Erleichterung kam mit dem Weichspüler. Wie ein Film legte er sich um die dünn gewordene Haut.

Ich erfuhr die Gegenwart der Engel, hörte Geschichten von spirituellen Wundern und lernte wieder zu lachen. Viele Menschen begegneten mir, die schon dauerhaft im Weichspüler badeten und mir die Information übermittelten, ich wäre nun im Paradies. Nichts könne mich mehr erschüttern.

Man gewährte mir also Erholung. Allerdings nur eine kurze Zeit, dann wurde geprüft, ob dieses neue, weichgespülte Dasein wirklich mein Zuhause, mein Ankommen sein sollte.

Doch siehe da, mir wurde langweilig. Und so verlor ich auch die Resonanz zu anderen weichgespülten Menschen. Einsamkeit befiel mich und ständig rutschte ich auf meiner eigenen Weichspüler - Spur aus. Ich bat um Hilfe und sie kam.

Die Maschine schaltete erst auf Klarspülen und ich genoss es mit allen Sinnen, befreit zu werden von dem klebrigen und schleimigen Weichspüler. Entspannt wollte ich mich zurücklehnen, doch da begann das Schleuderprogramm.

Hilfe, mir wird schlecht! Voller Entsetzen verlor ich die Orientierung, die Zweifel kamen und bahnten sich ihren Weg in mein wieder erwachtes Bewusstsein. Für kurze Zeit wurde es schwarz in mir und fühlte sich an, als wenn diese dunkle Nacht der Seele mich in meiner Entwicklung zurückwarf. Verzweiflung und Resignation zeigten mir ihre heftigsten Seiten. Trotzdem blieb die Liebe, die ich seit dem Weichspülgang für das Universum, die Sterne, aber ebenso für die Erde empfand, bestehen.

Und auch das längste Schleuderprogramm ist einmal vorbei.

Ängstlich beobachtete ich nun, was mich als Nächstes erwarten würde.

Doch nichts geschah. Da öffnete sich die Tür der Waschmaschine und zwei große, hilfreiche Hände holten mich ans Tageslicht.

Sanft trugen sie mich ins Freie und ich wurde zum Trocknen auf die Leine gehängt. Ein leichter Wind und die Wärme der Sonne zauberten mir ein entspanntes Lächeln ins Gesicht und so wehte ich sacht vor mich hin.


Doch eines Tages wurde es zu warm in der Sonne und alle Glieder taten mir weh von dem langen Umherhängen.

Ich befreite mich mühselig von den Klammern, die mich an der Leine hielten, sprang in die Tiefe und landete weich im grünen Gras.


Nun stehe ich mit wackligen Beinen wieder auf der Erde, um mit dem neu gewonnenen Wissen, meinen Erfahrungen, die ersten unsicheren Schritte zu machen.

In ein Leben, das von Freiheit, Eigenverantwortung und Liebe geprägt ist.

Das Lernen jedoch darf immer weitergehen und ganz sicher finde ich mich noch des Öfteren in der Waschmaschine wieder. Es genügt dann hoffentlich ein 30 Grad Kurzprogramm ohne Kochen und Weichspülen. Das schützt die Umwelt.


In all den Geschehnissen erkannte ich mich neu, eine ganz andere Wahrnehmung meiner selbst wurde mir offenbart.

Denn ich war die Waschmaschine, die Programme, der Weichspüler, das Wasser und der Körper. Ja, selbst die Sonne und der Wind.


Ich verstand erstmals das Gleichnis von dem Tropfen im Ozean, der so sehr eins mit dem Wasser wurde, bis er sich selbst als der Ozean fühlte.

Dieses Gefühl zu bewahren, in meinen Alltag zu integrieren wird meine nächste Herausforderung sein.

Und sollte doch ab und an ein neuer Schmutz - Schleier meine Wahrnehmung trüben, so rufe ich einfach:


“Einmal Klarspülen und Schleudern bitte!”

 

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